Sonntag, 22. April 2018

Samstag, 21. April 2018




EXISTENZIELLE FRAGEN (5)

Was ist Glück?







Und damit meine ich nicht den „positiven Zufall" im Sinne von Glück haben sondern den „positiv empfundenen Zustand", im Sinne von Glück empfinden“ …

Mo Gawdat, ehemals Manager bei Google, jetzt auf der Suche nach dem Glück meint dazu:
Ich habe mich selbst gefragt: Was macht uns unglücklich? In den Büchern fand ich keine Antwort. Darin steht zwar, was du tun sollst, aber nicht, was vorher bei uns kaputtgegangen ist. Deshalb habe ich die Momente meines Lebens, in denen ich glücklich war, wie Messwerte in einem Diagramm eingezeichnet. Ich weiß, das klingt verrückt, aber ich habe mir gesagt: Wenn ich die Verbindungslinie zwischen diesen Punkten finde, wird die Gleichung, die diese Linie beschreibt, die Gleichung für Glück sein.
Und dabei ist ihm Folgendes aufgefallen:
Jedes Mal, wenn ich unglücklich war, lag es nicht daran, wie das Leben gerade war, sondern daran, dass ich es mit meiner Vorstellung von einem idealen Leben verglich. Und immer, wenn ich glücklich war, war mein Leben genau so, wie ich es haben wollte.
Mit anderen Worten:
In meiner Gleichung ist Glück einfach nur die ruhige Zufriedenheit, die man spürt, wenn das Leben gerade stimmig ist.
Ich glaube, Glück ist nichts Spektakuläres. Und Glück hat natürlich gar nichts mit materiellem Wohlstand, Karriere oder ähnlichem zu tun. Glück empfinden wir, wenn das Leben stimmig ist, wenn Wunsch und Wirklichkeit übereinstimmen, wenn wir nicht nach links und rechts schielen, mehr wollen, weiter suchen, uns mit anderen vergleichen. 

Überhaupt das ständige Vergleichen: Es ist „das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“, hat schon Kierkegaard klugerweise gesagt.

Dienstag, 3. April 2018

Mittwoch, 28. Februar 2018



ERICH MARIA REMARQUE







  Es ist falsch, anzunehmen, dass jeder dieselbe Fähigkeit hat, zu fühlen.

*

Was unerreichbar ist, ist immer attraktiver als das, was du hast. Das ist die Romanze und die Idiotie des menschlichen Lebens.

*

 Komme was wolle, nimm es bloß nicht zu ernst. Nur wenige Dinge sind lange wichtig

*

Nichts nützt so wenig wie die Reue. Man kann nichts bereuen. Man kann nichts korrigieren. Wenn wir das könnten, wären wir alle Heilige. Das Leben hat niemals darauf abgezielt, dass wir perfekt sind.

*

Es ist besser, mit Lebensfreude zu sterben als einfach bis zu dem Tag zu leben, an dem du stirbst

*

Wenn der Mensch nicht davonläuft, ist er stärker als sein Schicksal.





SOUNDS (6)



Carter Burwell - 20 years later


Fargo 1998




Three Billboards 2018







Sonntag, 18. Februar 2018



EXISTENZIELLE FRAGEN (4) 

A man provides !



Aus Breaking Bad :
Walter White erhält von Drogenboss Gustavo eine Lektion darüber, 
was ein Mann zu tun hat, der Familie hat. 
Alles gesagt ! 




Dienstag, 13. Februar 2018




  LAST WORDS (1)



 Bildergebnis für old tombstone




 "He desperately tried to not give a fuck and failed miserably".






Sonntag, 11. Februar 2018


EXISTENZIELLE FRAGEN (3)

IKEGAI - Der Grund, morgens aufzustehen 

 Ikigai

 
Ikigai  (ausgesprochen: ei-ki-gä-ai) kommt aus dem Japanischen und bedeutet frei übersetzt „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Es handelt sich dabei um einen sehr individuellen Prozess, denn jeder muß sein eigenes Ikigai finden. Dass Finden des eigenen Ikegai  bewirkt in den Menschen ein Gefühl der Lebensfreude und der inneren Zufriedenheit. 

Wer sein Ikigai gefunden hat, wird ein glückliches, gesundes und langes Leben führen. Die Japaner gehören zu den ältesten Menschen der Welt – auf der Insel Okinawa leben die meisten Hundertjährigen! Ikigai hat in Japan entsprechend seiner kulturellen Identität natürlich einen anderen Schwerpunkt als die westlichen Nationen. Aus deren Sicht entspricht Ikigai einem subjektiven Wohlgefühl, dem Empfinden eines Sinngehalts des Lebens, einer Bestimmung, die die Freude, „lebendig zu sein“ miteinschließt.
Um sein persönliches Ikigai zu finden, gibt es vier Bereiche, die man untersuchen muss. Die Schnittmenge dieser Bereiche ergibt dann das Ikigai.
  • Passion. Leidenschaft: Was liebst Du? Wofür brennst Du?
  • Mission: Was kannst Du gut?
  • Berufung: Was braucht die Welt, das Du ihr geben kannst?
  • Beruf: Kannst Du Dich bezahlen lassen?
Wenn diese vier Bereiche im Einklang sind, weißt Du, zumindest theoretisch, warum Du auf der Welt bist.

Diese vier Eckpunkte kann man noch differenzierter betrachten.
  • Passion: Wofür schlägt Dein Herz?
  • Womit verbringst Du Stunden, ohne zu merken wie die Zeit vergeht?
  • Worüber kannst Du ständig reden?
  • Was kannst Du besonders gut und Du bekommst auch positives Feedback dafür?
  • Mission: Dein Können
  • Was sind Deine Talente? Dazu gehören alle Fähigkeiten, die einem so einfallen, auch diejenigen, die einem vielleicht als unbedeutend erscheinen: schnelle Auffassungsgabe, gut kochen, gut zuhören können etc.
  • Die Schulbildung ist natürlich auch ein Bestandteil, aber man sollte diese eher mit einem entspannten Blick betrachten.
  • Berufung: Was ist Dir wichtig im Leben? Können andere Menschen davon profitieren?
  • Worauf willst Du am Ende Deines Lebens stolz sein?
  • Beruf: Was braucht die Menschheit?
  • Im besten Falle will man von dem, was man gerne tut, auch leben können. Das ist öfters möglich, als man manchmal denkt. Laß Dich deshalb nicht einschränken.
  • Im digitalen Zeitalter gibt es viele zusätzliche Möglichkeiten, da man von überall auf der Welt aus arbeiten kann. Das Internet bietet hier unzählige Möglichkeiten.
Das Finden des eigenen Ikigai ist ein langer Prozess, der vermutlich nie ganz abgeschlossen sein wird, aber es lohnt sich, sich auf den Weg zu machen, gleichgültig, an welcher Station seines Lebens man sich gerade befindet. Eine weitere Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist diejenige, ob es sich hier nur um die eigene Selbstverwirklichung handelt oder ob wir alles unter einer wesentlich größeren Perspektive sehen müssen.

Zur Lebensphilosophie des Ikegai gehören auch diese zehn Prinzipien.
  • Habe Zeit für Träume
  • Bleibe stets aktiv
  • Achte auf eine gute Selbstfürsorge
  • Vermeide Stressfallen
  • Praktiziere Dankbarkeit
  • Lebe in Gemeinschaft
  • Sei der Nabel der Welt
  • Höre auf Dein Herz
  • Schätze den Wert der kleinen Dinge
  • Bleibe neugierig


 
 




Montag, 5. Februar 2018



SOUNDS (5)


 




 
...ist eine saucoole Mini-Serie mit tollen Schauspielern...


 Bildergebnis für the fucking end of the world  Bildergebnis für the fucking end of the world     Bildergebnis für the end of the fucking world         Bildergebnis für the fucking end of the world
  

...und einem klasse Soundtrack. 



z.B.


SOKO - "We Might Be Dead By Tomorrow" 
(Folge 2)

 



GRAHAM COXON - "In my room"
(Folge 4) 

 



FRANCOISE HARDY - "Voila" 
(Folge 5)

 




Sonntag, 4. Februar 2018


KURZFILM (2)
 

Ein Kurzfilm von Martin McDonagh (Three Billboards, Brügge sehen...), für den er 2006 bei den Academy Awards einen Oscar (!) in der Kategorie Bester Kurzfilm erhalten hat.

Wie in seinen späteren Filmen treffen tiefgründige, existenzielle Themen auf schwärzesten Humor.


SIX SHOOTER






Mittwoch, 31. Januar 2018

DER LEIERMANN


Josef Bierbichler, bayerisches Schauspiel-Urgestein, legt seine Rollen je nach Bedarf brachial oder subtil an, bleibt dabei aber immer authentisch. Hier improvisiert er in einer Hotelbar in Afrika ein Lied von Franz Schubert und offenbart damit seiner Begleiterin Sibel Kekilli den verheerenden Gemütszustand, in dem er sich befindet.

Ausschnitt aus " Die Winterreise ":


Ich würde wetten, die Stelle mit dem Konservatorium hat er improvisiert. Klingt sehr autobiographisch.



Mittwoch, 24. Januar 2018


EXISTENZIELLE FRAGEN (2)

Gibt es einen Gott und wenn ja, was will er uns sagen?


Die Coen-Brothers haben grandiose und weltbekannte Filme geschaffen. Fargo, No Country for Old Men oder The Big Lebowsky stehen hier ganz oben auf der Liste. Einer der genialsten aber auch am schwierigsten zugänglichen Filme der Brüder ist weniger bekannt: "A Serious Man" 

Der jüdische Physikprofessor Larry Gopnik wird unvermittelt von einem Schicksalsschlag nach dem anderen getroffen: seine langjährige Ehefrau will sich scheiden lassen, um seinen Freund Sy Ableman zu heiraten, er muss für die kriminellen Machenschaften seines Bruders zahlen, wird von einem Nachbarn terrorisiert und ein anonymer Erpresser setzt alles daran, seinen guten Ruf an der Schule zu vernichten. Darüber hinaus ist die Welt um Larry pötzlich voll von  Versuchungen, die sein Seelenheil in massive Bedrängnis bringen. Dabei will er doch immer nur das Richtige tun.

Leidgeprüft und voller Angst, den Glauben an HaSchem (Gott) zu verlieren, sucht der  religiöse Larry Rat beim Rabbi. 

Der erste, zu dem er vorgelassen wird, ist der Junior-Rabbi der Gemeinde, Rabbi Scott.
Der verweist ihn... auf den Parkplatz:


  

Unzufrieden mit den Ausführungen des Jung-Rabbi wendet sich Larry an den erfahrenen und für seine erhellenden Gleichnisse bekannten Rabbi Nachtner. Der erzählt ihm die Geschichte von den Zähnen des Goy (Nicht-Juden): 




Larry's Verzweiflung wird immer größer und er sieht keinen anderen Ausweg, als das Oberhaupt der religiösen Gemeinde, den uralten, weisen Rabbi Marschak aufzusuchen:




Am Schluß ist die Antwort auf Larry's drängende Fragen überraschend, aber es ist nicht er, der sie bekommt.
Sie wird an dieser Stelle auch nicht verraten. Dieser fantastische Film spricht für sich selbst. 




 

Dienstag, 16. Januar 2018


SOUNDS (4)

JOAN & BOB



  







Bob Dylan, das erste Mal gemeinsam auf der Bühne mit der damals in der Folkszene schon sehr bekannten Joan Baez.

Die Zärtlichkeit und der Zauber einer gerade beginnenden Romanze, festgehalten in ein paar spontanen Fotos. 

Der folgende Auftritt ist legendär und mein persönlicher Bob-Dylan-Favorit 



 

Mittwoch, 10. Januar 2018



BEGEGNUNG AUF DER PARKBANK

 






Als ich ihm begegnete, hockte er auf einer Parkbank, blass und unrasiert, saß da wie vermutlich alle Versager dieser Welt, sobald sie erst begriffen haben, dass ihr Versagen unwiderruflich und durch nichts und niemanden rückgängig zu machen ist. Man kennt das, denn es gibt viele Versager, die alle gleich aussehen, weshalb sich mehr oder weniger die meisten Menschen verblüffend gleichen. Das verdient kein Mitleid, denn jeder schreibt die Story seines Lebens selbst. Doch schenke ich gerne jedem etwas Aufmerksamkeit, denn auch wer im Leben nichts gilt, kann doch als Kunde Bedeutung erlangen - auch Versager kaufen ein. Er schien es nicht zu bemerken, als ich mich wortlos neben ihn setzte. Den Kopf in den Nacken geworfen, starrte der junge Mann durch seine billige Brille (ganz offensichtlich kein Markenmodell) in den leicht bewölkten Himmel, ganz entspannt saß er da, mit gespreizten Beinen unter einem hellen, etwas fleckigen Trenchcoat, und schien nichts zu spüren als jenes deprimierende, eisige Gefühl, das bestimmt jeden Versager unentwegt durchströmt.

Ich wollte nicht stören, denn ich respektiere das Unglück der anderen. Andererseits hatte ich Mittagspause, mein Handy schwieg, und ich fand mich gut aufgelegt für ein launiges Zielgruppengespräch. "Ich hoffe, es belästigt Sie nicht", begann ich nach kurzem Zögern, "wenn ein Vertreter der Geschäftswelt auf Ihrer Bank seine Pause realisiert." Ich erwartete nur ein Murren als Zeichen der Zustimmung oder Ablehnung. Denn Versager sind schweigsame Menschen, was ich gut verstehe. Doch der junge Versager an meiner Seite, der unentwegt in den Himmel starrte, als wolle er allenfalls mit den Wolken ein Gespräch beginnen, erwiderte freundlich: "Es stört mich keineswegs, wenn es Sie nicht stört, neben einem Versager zu sitzen." Den Kopf noch immer im Nacken, drehte er ihn mit diesen Worten zu mir, und ich sah in ein langweiliges, sympathisches Gesicht, das sich gewiss noch nie über die Geheimnisse eines Business Plans oder die Strategiekonzepte erfolgreicher Marktpenetration gebeugt hatte. "Ich gestehe", gab ich ehrlich zur Antwort, "dass ich Versager herzlich verachte. Im Grunde ist mir jeder erfolgreiche Ganove lieber als ein Versager, dem kein anderer Ausweg als die Ehrlichkeit bleibt. Um es auf den Punkt zu bringen, erlaube ich mir die Bemerkung, dass mir nichts widerlicher, ekliger, verabscheuungswürdiger, gemeiner, niederträchtiger, rundheraus gesagt: unerfreulicher vorkommt als die Vorstellung, die gesamte Mittagspause neben Ihnen zu verbringen." 

Natürlich hatte ich mit diesen beherzten Worten meinen Gesprächspartner nicht verletzen wollen, im Gegenteil, sie sollten lediglich das kommunikative Come Together zwischen ihm und mir erleichtern. Er schien das zu verstehen, denn nach einem Augenblick verständlicher Verwirrung sagte er höflich: "Wenn ich die Situation richtig einschätze, zwingt Sie niemand, neben mir sitzen zu bleiben. Keiner versteht Ihren Ekel vor mir besser als ich selbst. Man kann von Versagern halten, was man will, aber zweierlei lassen sie sich von niemandem nehmen, ihre Mittagspause und ihren Selbstekel. Während ich hier neben Ihnen sitze, empfinde ich diesen Ekel noch stärker als gewöhnlich, wenn ich allein oder in Begleitung anderer Versager bin. Denn allein oder unter anderen Versagern bin ich nur ich oder unter meinesgleichen, neben Ihnen aber, mit Ihrem geschmackvollen City-Anzug, den Doppelmanschetten Ihres durch und durch blütenweißen Hemds und Ihrem sonnenstudiogesundgebräunten Gesicht, sehe ich mich als der Versager, der ich bin. Verzeihen Sie meine lange Rede. Erfolg ist, wie jeder Erfolgreiche weiß, nur eine Frage der richtigen Performance. Jesus hat es gewusst und neben den Contents nie die Performance vergessen. Auch Buddha und Konrad Adenauer, Adolf Hitler und Beate Uhse, Mohammed und Gerd Schulte-Hillen, alle Großen haben zu jeder Zeit gewusst, dass - unabhängig vom Geschäftsfeld - erst der gelungene Marketing-Mix den Erfolg garantiert. 

Für den Fall, dass mich der junge Versager mit seinem Wortschwall penetrieren wollte, kann ich sagen - es war ihm gelungen. Er hatte für seine Performance eine Belohnung verdient."Sieben", flüsterte ich. Der Versager starrte mit zurückgelegtem Kopf wieder in den Himmel, von seiner Kommunikationsoffensive offenbar erschöpft. "Wie bitte", erkundigte er sich leise, ohne die Haltung seines Kopfes zu verändern. "Sie sind", sagte ich, "der erfolgreichste Versager, der mir je begegnet ist, genauer gesagt sind Sie der erste Versager, der mich interessiert. Ich weiß zwar nicht, warum Sie ein Versager sind, ich weiß nicht einmal, ob Sie etwas anders sein wollen als ein Versager, aber ich weiß, wie Sie etwas Anderes sein könnten, wenn Sie wollten." Sein Kopf fiel in die Horizontale, und zum ersten Mal seit Beginn unseres Gesprächs drehte er sich mit dem Körper zu mir: "Wie?" "Der Erfolg", sagte ich, "ist eine ungerade Zahl, die Zahl heißt sieben. Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen die sieben Regeln verraten, die den Erfolgreichen von einem Versager unterscheiden, in unserem Falle mich von Ihnen." "Was mich zum Versager macht", unterbrach mich der junge Versager, "ist mir bekannt. Erzählen Sie doch mal von sich, was treiben Sie denn so?" 

"Erste Regel", erwiderte ich ruhig, "fragen Sie nie einen Erfolgreichen, mit was er Erfolg hat. Es ist vollkommen gleichgültig, ob ich mein Geld als Geschäftsführer einer Entsorgungsfirma, eines Zeitungsverlages oder eines Mineralwasserkonzerns verdiene. Wer Müll verbrennen kann, der wird auch Zeitungen los, und Wasser wird immer gesoffen. Wichtig ist nicht, was man tut, sondern dass man Erfolg dabei hat. Das, mein Lieber, ist die erste Regel. Wenn Sie die nicht verstehen, bleiben Sie ewig der Versager auf der Parkbank." Er nickte bedächtig. "Tolle Regel", sagte er und lächelte, "dann kann ja nichts mehr schief gehen." 

"Die Ironie, mein Lieber", erwiderte ich ungeduldig, "ist ein Privileg der Erfolgreichen. So weit sind Sie noch nicht. Die zweite Regel lautet: Bleibt der Erfolg wider Erwarten aus, feiern Sie ihn trotzdem. Nur der Versager spricht von Scheitern, der Erfolgreiche nur vom Erfolg." "Das ist doch Unsinn", sagte der junge Versager, "wenn ich erfolglos bin, dann bin ich gescheitert." "Sie schon", sagte ich sanft, "deswegen sind Sie bis heute der Versager. Der Erfolgreiche weiß, dass es den Misserfolg nicht gibt. Führt er seine Firma in die Krise, spricht er von Anpassungsproblemen, geht sie in Konkurs, erkennt er darin die positive Chance eines Neuanfangs. Verschimmeln seine unverkäuflichen Produkte, verlangt er von seinen Assistenten Studien zum Fremdkaufverhalten, springen die treuesten Kunden ab, sieht er ein Optimierungspotenzial der Kundenhaltbarkeitsverlängerung."

"Sie wollen sagen, die Lüge ist die Basis des Erfolgs", rief der junge Versager erregt und trat wütend die Zigarette aus. "Keineswegs will ich das sagen", antwortete ich amüsiert, "hören Sie die dritte Regel: Mit dem Misserfolg ist auch die Lüge abgeschafft. Wissen Sie, wer ein Lügner ist? Ein Lügner ist einer, der die Wahrheit als Möglichkeit betrachtet und sich aus wohlerwogenen Gründen für eine andere Möglichkeit als Wahrheit entscheidet. Aber würden Sie den im Ernst als Lügner bezeichnen?"

Im Blick des jungen Versagers bemerkte ich jene Unsicherheit, die überall auf der Welt zu Recht als Stigma des Versagers gilt. Er zögerte mit einer Antwort. "Sehen Sie", sagte ich, "die Sache liegt ganz einfach. Jetzt die vierte Regel: Sie müssen Freund sein. Feinde hat man ohnehin genug, den Rest lassen Sie Ihre Freundschaft spüren. Ihr Vorgesetzer will Sie befördern? Ausgezeichnet, er hat Ihre Freundschaft verdient. Er will Sie nicht befördern? Dann hat er sie erst recht verdient. Es gibt keinen Grund, einem Idioten die Freundschaft zu verweigern, wenn die Aussicht besteht, von ihm Geld zu bekommen, und erst recht nicht, wenn Sie es nicht zurückzahlen wollen."

"Sie wollen die Menschheit zu einer Gemeinschaft von Heuchlern machen", rief der junge Versager und sprang auf. "Irrtum, das ist sie schon längst", erwiderte ich ruhig, "ich bin nur ein Gegner der Selbstverleugnung, übrigens die subtilste Form der Heuchelei. Also setzen Sie sich und hören Sie die fünfte Regel."

"Moment mal", sagte der junge Versager, ohne meiner Aufforderung zu folgen,"Ihr verlogener Optimismus hat doch zumindest einen Haken. Was ist, wenn Ihnen keiner glaubt, wenn Ihre Heuchelei erwiesen, Ihre Lüge bekannt, Ihre Pleite eine Tatsache und Ihr Misserfolg amtlich ist? Geben Sie sich dann gleich die Kugel oder machen Sie vorher noch einen Einkaufsbummel?"

Der morbide Humor des jungen Versagers schlug mir allmählich aufs Gemüt. Offenbar hatte ich bei ihm keine passende Zugangslücke für meine Ratschläge gefunden, aber für eine qualifizierte Trendexploration im Bewusstsein dieses Versagers war es nun zu spät. "Sie führen uns damit zur fünften Regel", setzte ich das Gespräch ohne rechte Begeisterung fort, "natürlich kann das alles vorkommen, selbst der Erfolgreichste ist vor gewissen Konstellationen nicht sicher. In diesem Falle gilt die Regel: Die Vergangenheit war gestern, heute aber haben wir uns schon für morgen ganz neu aufgestellt."

"Wieso neu aufgestellt", unterbrach mich der Versager erneut, ein hoffnungsloser Fall. "Das ist ein Code-Wort, verstehen Sie, eine Duftmarke", sagte ich gereizt, "damit signalisieren die Erfolgreichen, dass sie die Verantwortlichen für ungünstige Konstellationen gefunden haben."

"Und wenn die Erfolgreichen selbst die Verantwortung tragen?" Die Begriffsstutzigkeit des Versagers wurde mir unerträglich. "Unmöglich", sagte ich verdrossen und stand auf, "sie können die Verantwortung nicht tragen, weil sie dann niemanden für verantwortlich erklären könnten. Das ist die sechste Regel."

"Ihre so genannten Regeln sind ein Codex der Ganovenehre", maulte der Versager. Er setzte sich, schloss die Augen und lehnte den Kopf wieder zurück: "Ich brauche Ihre Regeln nicht." 

"Sie wissen gar nicht, wie Recht Sie haben", sagte ich mit einem freundlichen Lachen, "denn das ist die siebte Regel: Versager brauchen keine Regel, sie sind die Regel." So sprach ich und ging meines Wegs.




Er war ein Versager, das war sonnenklar. Als ich ihm begegnete, hockte er auf einer Parkbank, blass und unrasiert, saß da wie vermutlich alle Versager dieser Welt, sobald sie erst begriffen haben, dass ihr Versagen unwiderruflich und durch nichts und niemanden rückgängig zu machen ist. Man kennt das, denn es gibt viele Versager, die alle gleich aussehen, weshalb sich mehr oder weniger die meisten Menschen verblüffend gleichen. Das verdient kein Mitleid, denn jeder schreibt die Story seines Lebens selbst. Doch schenke ich gerne jedem etwas Aufmerksamkeit, denn auch wer im Leben nichts gilt, kann doch als Kunde Bedeutung erlangen - auch Versager kaufen ein. Er schien es nicht zu bemerken, als ich mich wortlos neben ihn setzte. Den Kopf in den Nacken geworfen, starrte der junge Mann durch seine billige Brille (ganz offensichtlich kein Markenmodell) in den leicht bewölkten Himmel, ganz entspannt saß er da, mit gespreizten Beinen unter einem hellen, etwas fleckigen Trenchcoat, und schien nichts zu spüren als jenes deprimierende, eisige Gefühl, das bestimmt jeden Versager unentwegt durchströmt. Ich wollte nicht stören, denn ich respektiere das Unglück der anderen. Andererseits hatte ich Mittagspause, mein Handy schwieg, und ich fand mich gut aufgelegt für ein launiges Zielgruppengespräch. "Ich hoffe, es belästigt Sie nicht", begann ich nach kurzem Zögern, "wenn ein Vertreter der Geschäftswelt auf Ihrer Bank seine Pause realisiert." Ich erwartete nur ein Murren als Zeichen der Zustimmung oder Ablehnung. Denn Versager sind schweigsame Menschen, was ich gut verstehe. Doch der junge Versager an meiner Seite, der unentwegt in den Himmel starrte, als wolle er allenfalls mit den Wolken ein Gespräch beginnen, erwiderte freundlich: "Es stört mich keineswegs, wenn es Sie nicht stört, neben einem Versager zu sitzen." Den Kopf noch immer im Nacken, drehte er ihn mit diesen Worten zu mir, und ich sah in ein langweiliges, sympathisches Gesicht, das sich gewiss noch nie über die Geheimnisse eines Business Plans oder die Strategiekonzepte erfolgreicher Marktpenetration gebeugt hatte. "Ich gestehe", gab ich ehrlich zur Antwort, "dass ich Versager herzlich verachte. Im Grunde ist mir jeder erfolgreiche Ganove lieber als ein Versager, dem kein anderer Ausweg als die Ehrlichkeit bleibt. Um es auf den Punkt zu bringen, erlaube ich mir die Bemerkung, dass mir nichts widerlicher, ekliger, verabscheuungswürdiger, gemeiner, niederträchtiger, rundheraus gesagt: unerfreulicher vorkommt als die Vorstellung, die gesamte Mittagspause neben Ihnen zu verbringen." Natürlich hatte ich mit diesen beherzten Worten meinen Gesprächspartner nicht verletzen wollen, im Gegenteil, sie sollten lediglich das kommunikative Come Together zwischen ihm und mir erleichtern. Er schien das zu verstehen, denn nach einem Augenblick verständlicher Verwirrung sagte er höflich: "Wenn ich die Situation richtig einschätze, zwingt Sie niemand, neben mir sitzen zu bleiben. Keiner versteht Ihren Ekel vor mir besser als ich selbst. Man kann von Versagern halten, was man will, aber zweierlei lassen sie sich von niemandem nehmen, ihre Mittagspause und ihren Selbstekel. Während ich hier neben Ihnen sitze, empfinde ich diesen Ekel noch stärker als gewöhnlich, wenn ich allein oder in Begleitung anderer Versager bin. Denn allein oder unter anderen Versagern bin ich nur ich oder unter meinesgleichen, neben Ihnen aber, mit Ihrem geschmackvollen City-Anzug, den Doppelmanschetten Ihres durch und durch blütenweißen Hemds und Ihrem sonnenstudiogesundgebräunten Gesicht, sehe ich mich als der Versager, der ich bin. Verzeihen Sie meine lange Rede."Erfolg ist, wie jeder Erfolgreiche weiß, nur eine Frage der richtigen Performance. Jesus hat es gewusst und neben den Contents nie die Performance vergessen. Auch Buddha und Konrad Adenauer, Adolf Hitler und Beate Uhse, Mohammed und Gerd Schulte-Hillen, alle Großen haben zu jeder Zeit gewusst, dass - unabhängig vom Geschäftsfeld - erst der gelungene Marketing-Mix den Erfolg garantiert. (Vergleiche auch: Ludwig Golch in seinem Standardwerk "Die fünfte Drückerkolonne", 1991, vergriffen.) Für den Fall, dass mich der junge Versager mit seinem Wortschwall penetrieren wollte, kann ich sagen - es war ihm gelungen. Er hatte für seine Performance eine Belohnung verdient."Sieben", flüsterte ich. Der Versager starrte mit zurückgelegtem Kopf wieder in den Himmel, von seiner Kommunikationsoffensive offenbar erschöpft. "Wie bitte", erkundigte er sich leise, ohne die Haltung seines Kopfes zu verändern. "Sie sind", sagte ich, "der erfolgreichste Versager, der mir je begegnet ist, genauer gesagt sind Sie der erste Versager, der mich interessiert. Ich weiß zwar nicht, warum Sie ein Versager sind, ich weiß nicht einmal, ob Sie etwas anders sein wollen als ein Versager, aber ich weiß, wie Sie etwas Anderes sein könnten, wenn Sie wollten." Sein Kopf fiel in die Horizontale, und zum ersten Mal seit Beginn unseres Gesprächs drehte er sich mit dem Körper zu mir: "Wie?" "Der Erfolg", sagte ich, "ist eine ungerade Zahl, die Zahl heißt sieben. Wenn Sie wollen, werde ich Ihnen die sieben Regeln verraten, die den Erfolgreichen von einem Versager unterscheiden, in unserem Falle mich von Ihnen." "Was mich zum Versager macht", unterbrach mich der junge Versager, "ist mir bekannt. Erzählen Sie doch mal von sich, was treiben Sie denn so?" "Erste Regel", erwiderte ich ruhig, "fragen Sie nie einen Erfolgreichen, mit was er Erfolg hat. Es ist vollkommen gleichgültig, ob ich mein Geld als Geschäftsführer einer Entsorgungsfirma, eines Zeitungsverlages oder eines Mineralwasserkonzerns verdiene. Wer Müll verbrennen kann, der wird auch Zeitungen los, und Wasser wird immer gesoffen. Wichtig ist nicht, was man tut, sondern dass man Erfolg dabei hat. Das, mein Lieber, ist die erste Regel. Wenn Sie die nicht verstehen, bleiben Sie ewig der Versager auf der Parkbank." Er nickte bedächtig. "Tolle Regel", sagte er und lächelte, "dann kann ja nichts mehr schief gehen." "Die Ironie, mein Lieber", erwiderte ich ungeduldig, "ist ein Privileg der Erfolgreichen. So weit sind Sie noch nicht. Die zweite Regel lautet: Bleibt der Erfolg wider Erwarten aus, feiern Sie ihn trotzdem. Nur der Versager spricht von Scheitern, der Erfolgreiche nur vom Erfolg." "Das ist doch Unsinn", sagte der junge Versager, "wenn ich erfolglos bin, dann bin ich gescheitert." "Sie schon", sagte ich sanft, "deswegen sind Sie bis heute der Versager. Der Erfolgreiche weiß, dass es den Misserfolg nicht gibt. Führt er seine Firma in die Krise, spricht er von Anpassungsproblemen, geht sie in Konkurs, erkennt er darin die positive Chance eines Neuanfangs. Verschimmeln seine unverkäuflichen Produkte, verlangt er von seinen Assistenten Studien zum Fremdkaufverhalten, springen die treuesten Kunden ab, sieht er ein Optimierungspotenzial der Kundenhaltbarkeitsverlängerung.""Sie wollen sagen, die Lüge ist die Basis des Erfolgs", rief der junge Versager erregt und trat wütend die Zigarette aus. "Keineswegs will ich das sagen", antwortete ich amüsiert, "hören Sie die dritte Regel: Mit dem Misserfolg ist auch die Lüge abgeschafft. Wissen Sie, wer ein Lügner ist? Ein Lügner ist einer, der die Wahrheit als Möglichkeit betrachtet und sich aus wohlerwogenen Gründen für eine andere Möglichkeit als Wahrheit entscheidet. Aber würden Sie den im Ernst als Lügner bezeichnen?"Im Blick des jungen Versagers bemerkte ich jene Unsicherheit, die überall auf der Welt zu Recht als Stigma des Versagers gilt. Er zögerte mit einer Antwort. "Sehen Sie", sagte ich, "die Sache liegt ganz einfach. Jetzt die vierte Regel: Sie müssen Freund sein. Feinde hat man ohnehin genug, den Rest lassen Sie Ihre Freundschaft spüren. Ihr Vorgesetzer will Sie befördern? Ausgezeichnet, er hat Ihre Freundschaft verdient. Er will Sie nicht befördern? Dann hat er sie erst recht verdient. Es gibt keinen Grund, einem Idioten die Freundschaft zu verweigern, wenn die Aussicht besteht, von ihm Geld zu bekommen, und erst recht nicht, wenn Sie es nicht zurückzahlen wollen.""Sie wollen die Menschheit zu einer Gemeinschaft von Heuchlern machen", rief der junge Versager und sprang auf. "Irrtum, das ist sie schon längst", erwiderte ich ruhig, "ich bin nur ein Gegner der Selbstverleugnung, übrigens die subtilste Form der Heuchelei. Also setzen Sie sich und hören Sie die fünfte Regel.""Moment mal", sagte der junge Versager, ohne meiner Aufforderung zu folgen,"Ihr verlogener Optimismus hat doch zumindest einen Haken. Was ist, wenn Ihnen keiner glaubt, wenn Ihre Heuchelei erwiesen, Ihre Lüge bekannt, Ihre Pleite eine Tatsache und Ihr Misserfolg amtlich ist? Geben Sie sich dann gleich die Kugel oder machen Sie vorher noch einen Einkaufsbummel?"Der morbide Humor des jungen Versagers schlug mir allmählich aufs Gemüt. Offenbar hatte ich bei ihm keine passende Zugangslücke für meine Ratschläge gefunden, aber für eine qualifizierte Trendexploration im Bewusstsein dieses Versagers war es nun zu spät. "Sie führen uns damit zur fünften Regel", setzte ich das Gespräch ohne rechte Begeisterung fort, "natürlich kann das alles vorkommen, selbst der Erfolgreichste ist vor gewissen Konstellationen nicht sicher. In diesem Falle gilt die Regel: Die Vergangenheit war gestern, heute aber haben wir uns schon für morgen ganz neu aufgestellt.""Wieso neu aufgestellt", unterbrach mich der Versager erneut, ein hoffnungsloser Fall. "Das ist ein Code-Wort, verstehen Sie, eine Duftmarke", sagte ich gereizt, "damit signalisieren die Erfolgreichen, dass sie die Verantwortlichen für ungünstige Konstellationen gefunden haben.""Und wenn die Erfolgreichen selbst die Verantwortung tragen?" Die Begriffsstutzigkeit des Versagers wurde mir unerträglich. "Unmöglich", sagte ich verdrossen und stand auf, "sie können die Verantwortung nicht tragen, weil sie dann niemanden für verantwortlich erklären könnten. Das ist die sechste Regel.""Ihre so genannten Regeln sind ein Codex der Ganovenehre", maulte der Versager. Er setzte sich, schloss die Augen und lehnte den Kopf wieder zurück: "Ich brauche Ihre Regeln nicht." "Sie wissen gar nicht, wie Recht Sie haben", sagte ich mit einem freundlichen Lachen, "denn das ist die siebte Regel: Versager brauchen keine Regel, sie sind die Regel." So sprach ich und ging meines Wegs.Es stört mich keineswegs, wenn es Sie nicht stört, neben einem Versager zu sitzen. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/16350856 ©2018